Heute standen viele Programmpunkte auf unserer Agenda. Angefangen mit einem wie immer sehr leckeren Frühstück, stiegen wir dann in den Bus, um mit den Ruandern am Umuganda teilzunehmen.
Umuganda ist ein sozialer Tag, der immer am letzten Samstag des Monats stattfindet. Alle Bürger von Ruanda arbeiten gemeinsam an Projekten, die das Land weiter bringt, wie zum Beispiel Gräben ausheben oder Wiesen zu mähen. Dabei steht aber nicht die eigentliche Arbeit im Mittelpunkt, sondern viel mehr das soziale Miteinander und der Austausch der Bürger.
An unserem Zielort angekommen, wurden uns sofort Schaufeln und Hacken in die Hände gedrückt. Wir gruben gemeinsam mit den Bürgern eine Regenrinne entlang der Straße aus, wobei wir ständig von einer großen Menge umgeben waren. Alle Menschen waren sehr herzlich, und trotz schwerer Kommunikation haben wir ständig zusammen gelacht und uns so gut es ging mit den Dorfbewohnern ausgetauscht.
Nach der Arbeit versammelten sich alle auf dem Marktplatz, der mit Pavillons geschmückt war. Es spielte laute Musik, zu der Männer und Frauen zusammen tanzten.
Nach dem Tanzen wurde die Stimmung etwas gedämpft. Verschiedene Vertreter der Gemeinde und Umgebung, unter anderem auch der Bürgermeister, hielten recht ernste und ermahnende Reden. Themen waren hierbei hauptsächlich fehlende Krankenversicherung, mangelnde Hygienestandards bei Toiletten, knappe Trinkwasserversorgung, Geldeinsparung, Drogenproblematik und der "Imihigo Prozess", welcher einen Vertrag zwischen Land und Bevölkerung darstellt. Hierbei verpflichten sich die Menschen ein bestimmtes Ziel zu erreichen und als Gegenleistung des Staats baut dieser dem Dorf beispielsweise eine asphaltierte Straße. Das Ziel dabei besteht darin, die einfachen Leute mit in den Entwicklungsprozess Ruandas einzugliedern und aktiv teilhaben zu lassen.

 

Nach einem kurzen Mittagessen befassten wir uns mit einem neuen Thema: Kunst und Mode. Hierzu besuchten wir zuerst den Künstler Strong Karakire in seinem Atelier, in dem er malt, Skulpturen anfertigt und Comics zeichnet. Er zeigte uns seine fertigen, aber auch die noch nicht fertiggestellten Werke. Auf die Frage was ihn inspiriert antwortet er, dass er seine Motive aus seinen Träumen bekomme, was uns sehr beeindruckte.
Was uns Schüler allerdings etwas traurig machte, war die Aussage, dass er von seiner Kunst nicht leben könne und er als Lösung sein Atelier vermieten muss. Außerdem zeigte er uns wie man eine Leinwand bespannt, welche dann von einigen von uns bemalt werden durfte.

 

Unser nächstes Ziel war "Ru&a Clothing". Dieses Modegeschäft mit zugehöriger Schneiderei wurde 2012 von zwei Schwestern gegründet und hat mittlerweile bereits 16 angestellte Schneider vertreten in 2 Standorten in Ruanda. Expansion ist weiterhin das Ziel der beiden Gründerinnen, die sowohl maßgeschneiderte Kleidung, als auch von der Stange verkaufen. Mit viel Begeisterung schauten wir uns die Kleider und die Schmuckstücke angeschaut und bewundert. Die bunten Stoffe der Röcke und die individuellen Muster der Hemden faszinierte und regte ein paar zum Kauf an.

 

Der letzte Programmpunkt unseres Tages war das "Niyo Art Center", eine Galerie, welche durch den Verkauf ausgestellter Kunst von 7 verschiedenen Künstlern, Weise, Straßenkinder, und Kinder aus schwierigen Verhältnissen unterstützt und ihnen ein Zuhause bietet. 120 Kinder im Alter von 6-24 Jahren wohnen bereits dort oder werden finanziell unterstützt, indem nur 60% des Gewinns zurück an die Künstler geht und die restlichen 40% ausschließlich den Kindern zugute kommt. Hierbei geht es um Versorgung mit ausreichend Essen, Medizin, Kleidung, und Schulunterlagen, aber auch Beschäftigung der Kinder und Umsorgung durch Betreuer. Sie trafen uns und zeigten eingeübten, traditionellen Tanz und Trommeln, wobei sie auch bei anspruchsvoller Choreografie mit Spaß dabei waren ,was uns begeisterte und gleichermaßen zum Denken anregte.
Außerdem finanziert sich außerdem durch Spenden. Auch wir spendeten in diesem Sinne und erfuhren im Nachhinein, dass wir dadurch 20 Kindern ein Ganzes Jahr lang ein Leben dort ermöglichen.

 

Nach diesem von Kunst geprägten Nachmittag kehrte wir in unsere Unterkunft zurück. Dort erwartete uns nicht wie die Tage zuvor ein Abendessen, wir gingen stattdessen auswärts in ein Lokal in der Nähe essen. Alle bekamen ein typisch ruandisches Gericht, entweder Spieße mit Hühnchen, Fisch oder vegetarisch. Es schmeckte fantastisch und war ein perfektes Ausklingen des ereignisreichen Tages.

Veronika Pietsch, Nadine Späth, Alisa Petry