Jumelage. We Live Our Friendship. 

Auf nach Nyagahanga.

 

Obwohl die Abfahrt am heutigen Morgen eine Stunde früher als gewohnt erfolgte, machten wir uns mit super Laune, guter Musik und Gastgeschenken auf den langen Weg zur Partnerschule. Auf der Strecke bekamen wir zu ersten Mal die schlechten Straßenverhältnisse zu spüren, die außerhalb von Kigali öfter zu Verzögerungen führen. Die unbefestigte Piste war durch die starken Regenfälle der vergangenen Nacht unbefahrbar, was einige kurzfristige Planänderungen zur Folge hatte. Damit nicht genug: Wir sind einmal falsch abgebogen und auch auf dem Umweg waren Straßenabschnitte gesperrt, die unseren Busfahrer dazu zwangen, langsamer zu fahren. So wurden aus nur 60 Kilometern Weg drei Stunden Fahrzeit.

 

Endlich angekommen wurden wir freundlich von den Schülern und Lehrern unserer Partnerschule in Nyagahanga, der École féminine d´agronomie (EFA) empfangen. Nachdem die anfängliche Schüchternheit überwunden war, wurden wir mit Handschlägen, Umarmungen und Küsschen begrüßt. Als erstes stand eine Unterrichtsstunde auf dem Programm. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und nahmen an verschiedenem Fachunterricht teil.

Die Schule hat einen landwirtschaftlichen Schwerpunkt. Deshalb hält sie Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen, Esel, Hühner, Hasen und Rinder für den Unterricht und besitzt außerdem Felder, auf welchen die Schüler ihr eigenes Obst, Gemüse und Getreide anbauen. Das Land Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren eine Kücheneinrichtung finanziert, die es den Schülern ermöglichen soll, ihre eigenen Erträge zu verarbeiten, zu lagern und gegebenenfalls zu verkaufen. Nachdem wir also eine große Menge an selbstgebackenen Keksen gegessen und die Schweineköpfe in der Tiefkühltruhe bewundert hatten, folgte der Höhepunkt des Tages: Wir wurden zu einer Versammlung eingeladen, auf der unsere Partnerschaft gefeiert werden sollte. Es wurden herzliche Worte ausgetauscht, Gastgeschenke überreicht und gemeinsam getanzt:

 

Die Jumelage-AG der EFA präsentierte traditionelle Tänze, untermalt von Gesang, und forderten uns später auf mitzumachen; aufgrund unserer im Vergleich eher bescheidenen Tanzkünste war es ein wenig peinlich, dennoch hatten wir viel Spaß. Wir dagegen gaben den Ruandern einen Crash-Kurs im Polkatanz. Diese Aktion endete zwar in ziemlichem Chaos, aber es führte zu vielen Lachern und wir hatten es geschafft die Stimmung erheblich aufzulockern. 

Im Anschluss daran wurde uns ein warmes Mittagessen (natürlich aus selbsterwirtschafteten Zutaten) serviert und wir hatten noch einmal die Möglichkeit mit unseren Partnerschülern ins Gespräch zu kommen. Wir waren überwältigt von der Freundlichkeit und Offenheit, die uns von Schülern und Lehrern der EFA entgegengebracht wurde. Dies sind Eigenschaften, die einen Großteil der Menschen, die wir erlebten, auszeichnen. Wir wussten kaum, wie wir mit der Aufmerksamkeit umgehen sollten.

 

Am späten Nachmittag gelangten wir dann schließlich zum ernsteren Teil unseres Ausflugs. Zusammen mit dem Partnerschaftsbüro in Kigali und den Lehrern der beiden Schulen soll verhandelt werden, welche Projekte in Zukunft mit dem Geld aus Rheinland-Pfalz verwirklicht werden sollen. Dazu schauten wir uns die sanitären Einrichtungen der EFA an, die sich schon seit vielen Jahren in einem aus hygienischer Sicht absolut unzumutbarem Zustand befinden. Bei einem Gespräch mit dem Lehrerkollegium zeigten diese sich zumindest bereit, an der Situation zu arbeiten, nachdem bei vergangenen Besuchen andere Prioritäten in Nyagahanga gesetzt worden waren (z.B.: Wunsch nach Ausbau des Internetanschlusses). Wir sind nach Abstimmung mit dem Schulleiter zu der Überlegung gekommen, Materialien zur Veranschaulichung des Unterrichtsstoffes anzuschaffen, an welchen es im Moment noch mangelt. Auch forderten wir eine sofortige Verbesserung der Hygienesituation  zum Beispiel durch Reinigungsdienste der Schüler. 

 

Insgesamt hat unserer Partnerschule Eindruck hinterlassen, besonders die Begegnung mit den Schülern. Wir wollen definitiv mit den ruandischen Schülern in Kontakt bleiben, kein Problem durch die von ihnen ebenfalls genutzten sozialen Netzwerke. 

Rico, Arielle und Jennifer